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Auswirkungen unseres Modekonsums & was wir besser machen können

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Auswirkungen unseres Modekonsums & was wir besser machen können

Shopping, eine Hassliebe. Du kennst es mit Sicherheit auch: Ein besonderes Event steht an, wir stehen vor unserem Kleiderschrank und: Haben mal wieder nichts zum Anziehen – angeblich. Wie kann das sein, wenn sich der deutsche Verbraucher durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke im Jahr kauft? Sind wir von dieser Statistik ausgeschlossen und haben wirklich nichts zum Anziehen? Wohl kaum.

 


 

Unsere Shopping-Lust kann unter anderem neurowissenschaftlich erklärt werden. Das menschliche Gehirn besteht aus drei Emotionssystemen, den sogenannten Big-3: Dem Balance-, Dominanz- und Stimulanz-System. Das Dominanz-System wurzelt in dem menschlichen Urinstinkt die Konkurrenz im Kampf für Nahrung zu verdrängen und somit seine eigene Macht zu erweitern. Wissenschaftler schlussfolgerten, dass Konsumenten shoppen, um in ihrem Umfeld gesehen, respektiert und integriert zu werden. In diesem Zusammenhang kommt auch das Stimulanz-System zu tragen, da der Mensch in seiner gesamten evolutionären Entwicklung ständig neue Habitate, Nahrungsquellen und Überlebensmöglichkeiten sucht. So kommt es, dass wir uns immer wieder neue Kleidung wünschen, vor unserem Kleiderschrank stehen und: Mal wieder nichts zum Anziehen haben – angeblich.
 
Besonders verstärkt wird dieser Wunsch auch durch Fast Fashion Marken, die bis zu 24 Kollektionen jährlich auf den Markt bringen. Zum Vergleich: Im klassischen Modesegment ist eine Kollektion pro Jahreszeit üblich. Angesichts dieser Entwicklung und deutscher Konsumenten, die sich durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke im Jahr kaufen, wird deutlich: Kleidung ist zu einer Wegwerfware verkommen. Während doppelt so viel Kleidung wie zu Beginn der 2000er Jahre produziert wird, tragen wir diese Kleidung nur halb so lange und haben unsere Ausgaben für Mode nur um 10% erhöht. Wie kann das sein? Es besteht eine Wechselwirkung, denn während Modemarken ihre Kollektionen immer schneller und günstiger produzieren, passen sich Konsumenten dieser Geschwindigkeit an und kaufen immer häufiger ein. Schon einmal was von FOMO, fear of missing out, gehört?

 



 

Und welche Konsequenzen ziehen diese Entwicklungen nach sich? Besonders gesellschaftliche und umweltliche. Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Fast Fashion Marken in Entwicklungsländern wie Bangladesch produzieren. Genauer gesagt stammen 90% der importierten Kleidung in Deutschland aus genau diesen Ländern. Jetzt könnten einige sagen: „Aber die Industrie gibt diesen Menschen doch Arbeit. Wo ist das Problem?“ Berechtigte Frage, aber das Problem ist eben genau, dass oftmals die Menschen- und Arbeitsrechte dieser Textilarbeiter verletzt werden. Die Folge: Zeit- und Leistungsdruck ziehen unbezahlte Überstunden, unterbezahlte Löhne sowie gesundheits- und lebensgefährdende Arbeitsumstände nach sich. Da müssen wir uns nur einmal an 2013 erinnern, als in Bangladesch eine Textilfabrik aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen eingestürzt ist und über 1.000 Menschen ums Leben kamen.
Und was passiert mit unserer Umwelt? Da 70% der Stoffe aus günstigen, synthetischen und nicht-recycelbaren Fasern hergestellt sind, verschmutzen diese Kleidungsstücke unserer Gewässer. Beim Waschen der Kleidung gelangen ihre Mikropartikel ins Abwasser und brauchen Jahrhunderte, um sich organisch zu zersetzen. Angesichts dieser erschreckenden Zahlen betonen Umweltaktivisten, dass die Verlängerung der Lebensdauer eines Kleidungsstücks von durchschnittlich einem zu zwei Jahren die CO2-Emissionen bereits um 24% senken könnte.

 

 

Was möchten wir von influenced by in diesem Kontext eigentlich bewirken? Wir möchten euch dazu bewegen, dass wir alle gemeinsam unseren Modekonsum überdenken und optimieren. Am Ende des Tages ist und bleibt Mode immer noch ein Instrument, um seine Persönlichkeit auszudrücken und sich in seiner eigenen Haut wohlzufühlen. Wir sagen: Es ist okay, sich öfters neu einkleiden zu wollen, solange man darauf achtet, wie und was man konsumiert.
Fangen wir bei unserem eigenen Kleiderschrank an: Laut Greenpeace tragen deutsche Konsumenten rund 40% ihrer Kleidungsstücke kaum oder gar nicht. Folglich häufen sich in Deutschland jährlich rund 5,2 Milliarden Tonnen ungetragener und oft noch neuwertiger Kleidung an. Warum sollte diese Kleidung also bei uns Zuhause verstauben und nicht neuen Besitzern und somit ein neues Zuhause gegeben werden? Inzwischen gibt es viele tolle Möglichkeiten, eigene Kleidung abzugeben: Sei es in Altkleidersammlungen, Frauen- und Kinderhäusern oder auch in verschiedenen Sammelstellen, die beispielsweise an Weihnachten gut erhaltene Kleidung in ärmere Länder schicken.
Wer an seiner Kleidung noch etwas verdienen möchte, kann natürlich auch auf einen Flohmarkt gehen und sich auf die ganz eigene Kultur vor Ort einlassen. Secondhand-Liebhaber können deine Kleidungsstücke anprobieren, verhandeln und stöbern – eine richtig tolle Wochenendbeschäftigung für Käufer und Verkäufer. Wusstest du eigentlich, dass Secondhand-Kleidung nicht nur einzigartig und besonders, sondern auch besser für deine Gesundheit ist? Da diese Kleidung meist bereits öfters gewaschen wurde, enthält sie nun weniger Schadstoffe und chemische Substanzen. Außerdem gibt es inzwischen viele Plattformen, auf denen du deine Kleidung online verkaufen oder tauschen kannst und selbst über deine Preise bestimmst und den Versand übernimmst.
 
Aber soll das heißen, dass der Kauf von Neuware ein Tabu ist? Auf keinen Fall! Es gibt vor allem in Deutschland tolle nachhaltige Modelabels, die unter fairen Arbeitsbedingungen, ressourcenschonend und ohne Einsatz chemikalischer Substanzen produzieren, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Ein Beispiel: Wir haben vor Kurzem wiljd, ein cooles Start-Up Unternehmen aus Wuppertal, kennengelernt, das Kleidung aus Holz produziert. Wir waren auch erstaunt und haben uns gefragt, ob das wohl gemütlich ist. Und ja, das ist es! Die Kleidung ist seidig weich und dank der Holz-Basis wirkt sie antibakteriell und bleibt länger frisch. Umweltbewusst ist die Produktion von wiljd übrigens auch, da sie mit einem nachhaltigen Rohstoff arbeiten, der ausschließlich aus zertifiziert nachhaltigen Quellen in der EU stammt, wo immer wieder neue Bäume gepflanzt werden.
 
Wir können uns durchaus modisch kleiden und hin und wieder etwas Retail Therapy betreiben. Dabei sollten wir aber darauf achten, wo wir shoppen, was mit unseren Kleidungsstücken passiert und es vor allem nicht übertreiben. Sicherlich wird uns das Umdenken am Anfang etwas schwieriger vorkommen. Es geht es aber nicht darum, seine ganzen Gewohnheiten über Nacht zu ändern und "perfekt" zu konsumieren. Vielmehr soll es darum gehen, ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen und schrittweise seine Produkte bedachter auswählen. Balance ist und bleibt schließlich das Maß aller Dinge.

 

Quellen
 
- Burckhardt, G. (2018): Aber kosten soll es nichts (https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-04/bangladesch-rana-plaza-arbeitsbedingungen-gewerkschaften-sicherheit-fuenf-jahre/komplettansicht). Aufgerufen am 26.10.2019
 
- Grasshoff, F. Z. (2015): Fünf Tipps gegen den Textil-Wahnsinn (https://www.sueddeut-sche.de/stil/kleidung-fuenf-tipps-gegen-den-textil-wahnsinn-1.2757834). Aufgerufen am 26.10.2019.
 
- Greenpeace (2017): Konsumkollaps durch Fast Fashion. Hamburg.
 
- Häusel, H.-G. (2016): Brain View. Warum Kunden kaufen. 4. Auflage, Freiburg.
 
- Lehmacher, W. (2016): Globale Supply Chain. Technischer Fortschritt, Transformation und Circular Economy. 1. Aufl. 2016, Wiesbaden : Springer Gabler.
 
- Oberwittler, J. (2017): "Unser Kleiderkonsum ist Wahnsinn" (https://www.spie-gel.de/stil/leute-machen-kleider-von-imke-mueller-hellmann-fast-fashion-und-ihre-folgen-a-1182965.html). Aufgerufen am 26.10.2019.
 
- Rohrer, J. (2013): Markenkleidung aus Billiglohn-Ländern. Der viel zu hohe Preis der Billig-Klamotten (https://www.focus.de/finan-zen/news/tid-28299/kleidung-aus-billiglohn-laendern-in-fast-jedem-kleiderschrank-ste-cken-billig-klamotten_aid_868874.html). Aufgerufen am 26.10.2019.
 
- Spiegel Online (2015): Deutsche werfen selbst gut erhaltene Kleidung in den Müll (https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/kleidung-landet-bei-vielen-deutschen-laut-greenpeace-im-muell-a-1064055.html). Aufgerufen am 26.10.2019.
 
- The Carbon Trust (2011): Clothing. London (https://www.car-bontrust.com/media/38358/ctc793-international-carbon-flows-clothing.pdf). Aufgerufen am 26.10.2019.
 
- Wichert, S. (2016): Im Kaufrausch (https://sz-magazin.sueddeutsche.de/gesellschaft-le-ben/im-kaufrausch-82809). Aufgerufen am 26.10.2019.
 
- Yarrow, K. (2014): Decoding the New Consumer Mind: How and Why We Shop and Buy, San Francisco, CA.

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